9-Euro-Ticket: »Die Autofahrer haben eine Gratismentalität«

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Off: Sabine Leidig kämpft. Die Aktivistin und ehemalige Linken-Bundestagsabgeordnete sammelt Unterschriften für eine Verlängerung des 9-Euro Tickets. Denn das läuft in wenigen Tagen aus – und wie es dann weitergehen soll, ist offen.

Sabine Leidig: Erstens muss das 9-Euro-Ticket bleiben. Zweitens braucht es massiven Ausbau der öffentlichen Nahverkehre und das Geld muss umverteilt werden. Wir haben immer noch krass Milliarden Auto-Subventionen in diesem Land oder der Flugverkehr wird mit Milliarden gefördert jedes Jahr. Und wir wollen halt, dass das Geld wegkommt von den schädlichen Verkehren und hin zu den sinnvollen Verkehren. Und da gehört der öffentliche Nahverkehr absolut an erster Stelle.

Off: Seit der Einführung Anfang Juni wurden mehr als 38 Millionen 9-Euro-Tickets verkauft, dazu kommen 10 Millionen Abonnenten von ÖPNV-Monatstickets, die in 9-Euro-Tickets umgewandelt wurden. Fast alle Deutschen kennen das Ticket, mehr als die Hälfte sind laut Umfragen für eine Verlängerung.

Reporter: Das 9-Euro-Ticket läuft in wenigen Tagen aus. Was denken Sie darüber?

Mann I: Finde ich schade, weil so günstig mit Bus und Bahn fahren ist schon wichtig.

Frau I: Schade, weil man dann immer daran denken muss, sich wieder eine Karte zu kaufen.

Reporter: Und haben Sie es häufig benutzt?

Frau I: Ja. Ja. Schon auf jeden Fall.

Mann II: Ja, ich muss gestehen, mich betrifft es nicht. Ich bin kein Berliner. Ich bringe gerade meine Mutter hier zu Bahnhof. Ich komme aus Mecklenburg. Bei uns auf dem platten Land. Öffentlicher Verkehr sowieso sehr bescheiden. Das heißt, ich fahre sowieso grundsätzlich Auto, weil ich sonst nicht klar komme.

Frau II: Also, wir fanden das sehr praktisch, dass man hier auch mit dem öffentlichen Nahverkehr fahren konnte. Und keine extra Karte kaufen mussten.

Mann III: Ich habe nicht das Gefühl, dass wir uns damit einen Gefallen getan haben, weil natürlich die Probleme zusammen mit Corona und Ausfällen des Personals ja dazu führen, dass immer mehr Züge ausfallen. Dann kommt das 9-Euro-Ticket noch obendrauf. Das heißt, am Ende des Tages war es, glaube ich, nicht so eine gute Werbung für das Verkehrsmittel.

Frau III: Och, ich bin ein bisschen traurig. Ich würde es noch länger machen. Aber es ist ja nicht so. Wir haben Orte mal kennengelernt, in denen wir noch nie gefahren wären oder überhaupt nicht gefahren wären. Nicht?

Off: Doch nun läuft das Ticket in wenigen Tagen aus – Neuauflage ungewiss. Der Knackpunkt: Bund und Länder streiten um die Finanzierung. Das Land Berlin will im Alleingang das 9-Euro-Ticket für die Hauptstadt bis Jahresende verlängern. Doch eine einheitliche Lösung für ganz Deutschland ist nicht in Sicht. Zwar fordern SPD und Grüne fordern eine Weiterführung, aber die FDP ziert sich. Finanzminister Christian Lindner beklagt gar eine Gratismentalität, die durch das 9-Euro-Ticket entstanden sei. Kritiker halten das für reine Klientelpolitik:

Andreas Knie: Gegenüber diesen Äußerungen muss man ja nochmal grundsätzlich festhalten, dass gerade das Auto der größte Subventionsempfänger ist. Und gerade die Autofahrer haben bei uns eine Gratismentalität. Zum Beispiel, dass sie glauben, mit ihrem privaten Auto auf öffentlichem Raum praktisch für umsonst zu parken. Das ist Gratismentalität. Hier in Berlin kostet es praktisch gar nichts. Und wenn man einen Anwohnerparkausweis hat, kostet der 10,20 Euro für ein ganzes Jahr. Ein Parkplatz kostet uns alle etwa 3.000 Euro im Jahr. Das heißt also Gratismentalität den ÖV- Nutzern vorzuwerfen ist Zynismus.

Off: Derzeit werden verschiedene Modelle für einen neuen verbilligten Nahverkehrsfahrschein diskutiert. Der Preis müsste wohl steigen – sonst wäre er kurzfristig kaum finanzierbar. Aber wie viel darf ein 9-Euro-Ticket 2.0 kosten, ohne dass es auch angesichts hoher Inflation und Energiekosten für zu viele Menschen zu teuer wird? Verkehrsforscher Andreas Knie macht Vorschläge für eine nachhaltige Anschlusslösung.

Andreas Knie: Ein Preis für alle. Und da haben wir aus unseren Untersuchungen schon seit langem herausgehört, dass 29 Euro so eine Linie ist, die nicht überschritten werden darf. Bis 29 Euro empfinden die Menschen das als interessant und attraktiv. Und das Zweite ist wir müssen das Angebot erweitern. Denn natürlich war ein weiterer attraktiver Bestandteil des Tickets, dass ich wusste, ich habe immer das richtige Ticket. Ich habe nie den falschen Fahrschein, bis auf die Züge natürlich des Fernverkehrs. Die müssen auch hinein, die haben auch noch Kapazitäten. Das heißt, wir müssen das 29-Euro-Ticket, um diesen Fernverkehr, um die ICs und ECEs und die ICEs erweitern. Und letztendlich fehlt noch eine letzte Komponente. Man muss natürlich auch erst mal zur Haltestelle hin. Also gerade in den ländlichen Regionen kommt der Bus natürlich selten. Und vor allem man muss erst mal zum Bus hin oder zum Bahnhof. Deshalb fordern wir, dass auch die letzte Meile, also die Fahrt mit dem Taxi, das kann gerne eine gepoolte Taxifahrt sein, dass die in den 29 Euro auch inkludiert ist, sozusagen inklusive einer Flatrate für Taxi.

Off: Doch Stand jetzt wird es keines dieser Nachfolgemodelle geben. Was bedeutet das für die Menschen in Deutschland?

Sabine Leidig:Das ist wirklich ein Schlag ins Gesicht für Millionen Menschen, die jetzt irgendwie gesehen haben, wie gut es sein kann, wie gut es gehen kann und wie sinnvoll es ist. Und wenn die dann irgendwie plötzlich vor dem Fahrkartenautomat oder am Schalter stehen und kriegen 80 Euro gesagt, wenn sie ein Monatsticket wollen. Dann ist es einfach unverschämt.

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